Geschichte

Die Geschichte von Bischofthum ist ein Versuch, die für diesen Ort wichtigen Ereignisse wiederzugeben. Daneben enthält diese Abhandlung einige Angaben zur Kuchenbecker-Sippe, die lange Zeit die Mehrzahl der Einwohner Bischofthums und 155 Jahre den Dorfschulzen stellte.

Über die frühen Zeiten des pommerschen Landstrichs, insbesondere über Bischofthum, existieren nur wenige geschichtliche Aufzeichnungen. Erst in der Mitte des 16. Jh. erblühte in Pommern die Geschichtsforschung – allerdings war das unbedeutende Dorf Bischofthum von dem allgemeinen Interesse ausgenommen.

Deshalb und insofern ist die Geschichte von Bischofthum lediglich ein Versuch einer ausführlichen Chronik, beginnend mit einer Kurzfassung, Bischofthum betreffend: Einige wichtige Ereignisse, gefolgt von einer detaillierten Chronologie, dem Zeitstrahl. Diesem sind einige bedeutende Dokumente sowie eine Liste der historischen Hofbesitzer angefügt. Die deutsche Geschichte von Bischofthum endet mit der Flucht und Vertreibung.

Der Zeitstrahl beruht im Wesentlichen auf den schriftlichen Ausführungen von Historikern und Geschichtsschreibern, die sich professionell mit der Erforschung und Darstellung der Ereignisse beschäftigten. Die im Zeitstrahl angeführten Zeitangaben gelten als gesichert.

Einige Ereignisse und deren Anlässe und Auswirkungen können subjektive Interpretationen sein, gefärbt vom eigenen Standpunkt des Schreibers. Manche Begebenheiten sind unter Historikern umstritten, archäologische Artefakte werden zum Teil unterschiedlich gedeutet, zum Teil können die Schlussfolgerungen nur als wohlmeinende Ansicht des Auslegenden aufgefasst werden.

Bischofthum, heute Biały Bór-Biskupice, liegt in einem Landstrich, den wechselnde Stammesverbände bzw. Völker bewohnten.

Bereits seit 4.000 v.Chr., möglicherweise seit 8.000 v.Chr war dieser Landstrich bewohnt. Seit ca. 3.000 v.Chr. wanderten indoeuropäische Völkerstämme aus Osteuropa ein, die die gotische (ostgermanische) bzw. die pomoranische (westslawische/lechische) Sprache entwickelten. Die entsprechenden Völkerstämme stellten nacheinander die dominierende Ethnie, bis mit der Ostkolonisation, im 12. Jahrhundert beginnend, deutsche Siedler die Vorherrschaft übernahmen und nach dem 2. Weltkrieg aufgrund einer ethnischen und religiösen Säuberung die Polen Land und Sprache übernahmen.

Mit anderen Worten: Die Bewohner dieses Landstrichs waren vermutlich seit der Einwanderung der indoeuropäischen Völkerstämme, spätestens seit der gotischen Epoche um 100 v. Chr. multiethnischer Abstammung. Auch die heute dort lebenden Polen sind – wie alle Europäer – multiethnischen Ursprungs, vermutlich mit einem überwiegend osteuropäischen Anteil an der Erbinformation.

Jegliche Beanspruchung dieses Landstrichs mit Hinweis auf das zeitweilige Domizil mutmaßlicher Vorfahren verbietet sich, zumal …

  • zunächst Einigkeit über den zutreffenen Zeitraum und die entsprechende Ethnie hergestellt werden müsste.
  • manche Historiker die Slawen als Nachfahren der Proto-Germanen ansehen und umgekehrt die Germanen als Abkömmlinge der Protoslawen, ohne dafür Belege vorweisen zu können.
  • die geografische Heimat der Goten und die der Pomoranen, bevor sie in Hinterpommern ansässig wurden, umstritten ist.

Eine Bestätigung der im folgenden Schaubild dargestellten getrennten Zweige der Germanen und Slawen wie den Aufschluss über ihre Herkunft kann die genealogische Forschung bieten, die anhand der Auswertung der DNA die Haplogruppe der Pobanden bestimmt und möglicherweise einige Annahmen der archäologisch oder linguistisch oder omomastich orientierten Genealogie infrage stellt.

Ein hypothetischer Stammbaum der indogermanischen Sprachen
Quelle: Wikipedia Indogermanische Sprachen

Die dargestellte Meinung, dass das Gotische und das Niederdeutsche der germanischen Sprachfamilie zuzuordnen, das Pommeranische jedoch eine Unterart der slawischen Sprache ist, würden gebürtige Pommeraner verneinen und eher der These zuneigen, dass sie eine Variante des Niederdeutschen sprechen, angereichert mit polnischen Lehnwörtern.

Haplogruppen kann man sich als grosse Äste des Homo Sapiens Stammbaumes vorstellen. Jede Haplogruppe fasst Menschen zusammen, deren genetisches Profil ähnlich ist und die einen gemeinsamen Vorfahren teilen. Einer Haplogruppe des Y-Chromosoms gehören Männer an, die über einen gemeinsamen Vorfahren in rein männlicher Linie verfügen. Das Y-Chromosom wird immer vom Vater an den Sohn weitergegeben.

iGENEA

Vereinfachte Darstellung der y-Chromosom Haplogruppen

Mit der Haplogruppe ist die geographische Ausbreitung der Menschen zu bestimmen, somit kann sie Klarheit in einige ältere Annahmen der paläolinguistisch, archäologisch, ethnologisch, mythologisch und religionshistorisch orientierten Familiengeschichtsforschung bringen. D.h., in interdisziplinärer Arbeit ist mithilfe der Genetik eine plausible Verknüpfung von archäologischen Funden und sprachwissenschaftlichen Erkenntnissen mit Ethnien möglich. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Annahmen manchmal auf numerisch kleinen Funden beruhen und der Zufall eine Rolle spielen kann.

Die vorliegenden Forschungsergebnisse belegen, dass die heute lebenden männlichen Deutschen zu 45 Prozent Nachfahren der Kelten sind und der Haplogruppe R1b angehören. Die heute im ehemaligen Hinterpommern heimischen Polen gehören größtenteils einer osteuropäischen Kulturgruppe mit der Haplogruppe R1a an.

Dominante y-DNA Haplogruppen in Europa, vereinfachte Darstellung

Die Trennlinie der Haplogruppen R1a und R1b auf der Höhe Pommerns bildet die heutige Staatsgrenze von Deutschland und Polen, die Oder. Für die genauere Bestimmung der Ethnien und ihrer geographischen Verteilung liegen Genproben in noch nicht ausreichender Anzahl vor.

Auf der Website Studium generale wird dagegen anhand der mitochondrialen DNA aufgezeigt, …

… die nur von Frauen vererbt wird: 50 Prozent der Deutschen haben nach der Schweizer Studie mütterlicherseits eine germanische Abstammung, doch väterlicherseits nur sechs Prozent.

Die verschiedentlich von Polen geäußerten Eigentumsrechte an Pommern unter Bezugnahme auf eine angeblich slawische Urbevölkerung lassen sich jedenfalls nicht ethnisch oder archäologisch oder linguistisch begründen. Denn wie bereits oben angedeutet, stammen beide Haplogruppen von indoeuropäischen Ethnien ab, insofern ist bei einer Unterscheidung in Kelten, Germanen, Slawen und Balten der Anlass der geografischen Verteilung sowie sein Zeithorizont und der Auslöser für die Entstehung der Sprachvarietäten entscheidend. Diesem Forschungsansatz kann nur eine interdisziplinär ausgerichtete, sachliche und ideologieferne Vorgehensweise gerecht werden, die durch genetische Erkenntnisse gestützt wird.

Aber als gesichert gilt, dass die Bischofthumer ein Gemisch aus mehreren Volksstämmen waren. Und dass diese polyethnischen Bischofthumer vor der Einführung der Gewerbefreiheit am 7. September 1811 größtenteils (bis auf Schmiede und Lehrer) Bauern waren.

Im Offiziellen Förderportal der Republik Polen* unter Lerne Polen kennen / Geschichte wird die Geschichte Polens dargestellt. Dabei bleibt interessanterweise das Volk der Pomoranen unberücksichtigt.

* nur noch im Webarchiv verfügbar

Die Geschichte Pommerns wird online in mehreren Zeittafeln dargestellt, beispielsweise bei der Ortsgruppe Wermelskirchen der Pommerschen Landsmannschaft, im Familienstammbaum der Familie Böttcher oder auf der Seite Pommern, das Land am Meer.

Eine weitere wichtige Quelle für den Zeitstrahl waren die Stichdaten zur brandenburg-preußischen Territorial-, Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte, die allerdings erst mit dem Jahr 1134 beginnen.

Ein Text aus einem ca. 1912 erschienenen, wohl als Schulbuch verwendeten Heimatkundebuch von Hermann Lemke, Mittelschullehrer in Stettin, schildert sehr anschaulich und verständlich die Geschichte der Bauern in Pommern.

Obwohl die Chronik auf gesicherten historischen Daten beruht, ist sie nur eine vermeintlich objektive Darstellung der Ereignisse. Insbesondere der Zeitstrahl stellt daher nur die Meinung des Verfassers dar, basierend auf der Meinung anderer Meinungsträger, oder:

Alle Menschen sind klug. Die einen vorher, die anderen nachher.

Voltaire