Ihr Standhalten

Über die Jahre von der Gründung Bischofthums um 1342 bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges liegen uns keine Zeugnisse vom Leben und Wirken seiner Einwohner vor. Lediglich die Handfeste vom 10. August 1408 belegt die frühe Existenz des Ortes.

Die Einwohner von Bischofthum treten für uns, zumindest einzelne von ihnen, mit dem Lehnbrief von 13.11.1623 für den Freyschulzen Jacob Glashagen aus dem Dunkel der Geschichte. Der Lehnbrief war von Antonius Bonin, Hauptmann auf Bublitz, ausgestellt.

Die schematische Abfolge einer Chronik verschweigt meist die ständige Bedrohung durch Naturkatastrophen und Unglücksfälle, Missernten und Hunger. Die bäuerliche Wirtschaft war störanfällig, sie war extremen Gefährdungen ausgesetzt. Vorräte für Notzeiten konnten meist nicht angelegt werden. Fiel die Ernte eines Jahres aus, durch natürliche Widrigkeiten oder weil Heerscharen die Felder vernichtet hatten, stand das Überleben ganzer Dörfer auf dem Spiel. Fehden und Kriegszüge stellten eine ständige Gefahr vor allem für die Landbevölkerung dar. Sie litt unter Plünderung und Brandschatzung.

Lothar Stielow Baldenburg und seine Geschichte

Die Zeiten vor 1772, als Westpreußen im Zuge der ersten Teilung Polens zu Preußen kam und damit für die Bischofthumer nicht mehr feindliches Ausland war, und insbesondere der Dreißigjährige Krieg waren für Bischofthum wohl die schwierigsten in seiner Geschichte. Vielleicht sind infolge des Krieges in der Dorfmatricul von 1628 für Bischofthum neben den 16 Bauern zwei wüste Höfe erfasst. Noch in der Hufenklassifikation von 1719 sind diese zwei wüsten Höfe dokumentiert, darunter der abseits des Dorfes gelegene Lübschenhof.

G. Sellke berichtet in Ostpommersche Dörfer nach dem 30-jährigen Kriege in eindrucksvoller Weise über die erlittenen Schäden (In: Ostpommersche Heimat, Beilage der Zeitung für Ostpommern Nr. 35–39, 1936). Sellke schreibt u.a.:

In vielen Gegenden war das Holz knapp, wohl eine Folge des übermäßigen Raubbaues. Schon vor und um 1600 wurde von einzelnen Grundherren über die Vernichtung des Waldes geklagt, so daß dem Bauer in jener Zeit die Anrechte auf den Wald bestritten oder ganz entzogen wurden, z. T. schon waren.

Zeugnis für den notwendigen Schutz des noch vorhandenen Waldes gegen den weiteren Raubbau geben die Anweisungen in den Lehnbriefen der Dorfschulzen von Bischofthum, beispielsweise:

Insonderheit sol er schuldig seyn auf das Hölzchen der Lindwerder genant gute Acht zu haben, daß solches mit allem Fleiße gesegnet, und nicht verhauen werde, …

Amtsgericht Bublitz I/75_1658+01+02_Lehnbrief

Der Freyschulz Jacob Glashagen führte die Bischofthumer nach dem Dreißigjährigen Krieg noch durch weitere Kriegswirren, denn 1657 erschütterte der Schwedisch-Polnische Erbfolgekrieg (der 2. Nordische Krieg) das Land, bei dem polnische Horden plündernd und sengend in Hinterpommern eindrangen. Vermutlich kostete dieser Krieg Jacob Glashagen das Leben, denn am 02.01.1658 wurde sein Nachfolger David Kockenbecker durch George von Bonin, Hauptmann auf Bublitz, zum Freyschulzen von Bischofthum ernannt.

Quelle der Karte: Geoportal Polen

Wir wissen nicht, welche Kriegsschäden Bischofthum davontrug, doch die kluge Anlage des Dorfes mit einem Rückzugsweg in die Bruchwälder hinter dem Schulzenhof wird trotz der exponierten Lage an der Grenze zu Polen geholfen haben, das Schlimmste — nämlich die völlige Vernichtung der Bischofthumer Einwohner — zu verhindern.

Der Kreis in der o.a. Karte markiert die Lage des Schulzenhofes, versteckt zwischen dem Priester- und dem Krambeerenbruch. Der Pfeil zeigt die Rückzugsmöglichkeit der Dorfbewohner an.

Auch nach dem Erbfolgekrieg half die Defensivtaktik den Dorfbewohnern. Wir dürfen diese Vermutung aus der Tatsache schließen, dass David Kockenbecker erst 1716 nach 58-jähriger Amtszeit von seinem Sohn, dem Frey- und Lehnschulzen David Kockenbecker abgelöst wurde.

Die Aufsicht über die Grenze war von alters her eine der Pflichten der Dorfschulzen, denn die schmale Landbrücke bei Baldenburg zwischen dem Bölzigsee und der Flake, dem nördlichen Teil des Bölzigsees, war schon immer ein Einfallstor für Plünderer. Antonius Bonin, Fürstlicher Bischöflicher Regiments Rath, Decanus der Collegiat-Kirchen zu Colberg, Hauptmann auf Bublitz, auf Wojenthin Erbsaßen, hat dem Jacob Glashagen diese Dienste an der Grenze ausdrücklich bestätigt.

Wann nun jedermänniglich bekant und wißend das gemelter Thomas Glashagen Zeit seines Lebens wie auch jeziger Jacob Glashagen bishere bei den Grenzen, und wie man sonsten ihrer benötiget, sich als getreue Unterthanen verhalten und solches auch hinfernere zu thun sich anheischig gemachet, als habe ich seinem Suchen und Bitten Raum und Statt finden laßen.

Amtsgericht Bublitz I/75_1623+11+13_Lehnbrief

In dem Lehnbrief für David Kockenbecker wird die Aufsicht über die Grenze ausdrücklich gefordert: Auch hiernächst fleißige Aufsicht auf die Grenzen und des Amts Gerechtigkeit des Ortes haben, damit dem Amte desfals kein Einderung und Schaden geschehe.

Amtsgericht Bublitz I/75_1658+01+02_Lehnbrief

Die Furcht vor Überfällen, die in diesen Forderungen zum Ausdruck kommen mag, wird in dem Bericht von Zechlin deutlich:

Arthur Zechlin, 1886

Die Lubinsche Karte von 1618 und der Atlas Blaeu von 1662 geben keinen eindeutigen Aufschluss über die zu überwachenden Grenzen. Diese Karten sind eher ein Beleg für die noch nicht entwickelte Kartografie.

1618 - Lubinsche Karte von Pommern
(Ausschnitt)
1662 - Karte von Willem & Joan Blaeu,
Atlas Blaeu (Ausschnitt)

1719 wurde vermerkt, dass Bischofthumer Bauern Viehweiden bei den Nachbarn aufm Baldischen Felde in Pohlen mieteten, d.h. die Nachbarn waren nicht mehr feindlich gesinnt und räuberische Überfälle nicht mehr zu befürchten, denn seit der Herrschaft der Ordensritter lebten auch jenseits der Grenze deutsche Siedler. 1772 verlor Bischofthum durch die Eingliederung Westpreußens in den preußischen Staat die strategische Bedeutung als Grenzposten.

Im Februar 1945 war es mit der Ruhe vor Feinden vorbei, die russische Armee marschierte in das Dorf ein. Dabei soll es nach den — zum Teil widersprüchlichen — Berichten der zurückgekehrten Flüchtlinge nur zu geringen Gebäudeschäden gekommen sein. Die erheblichen Verluste der Bausubstanz sind demnach den neuen, den polnischen Bewohnern zuzuschreiben, die wohl etliche der Fachwerkgebäude zur Gewinnung von Brenn- oder Baumaterial abrissen.