Ihre Häuser

Der römische Historiker und Senator Tacitus (* um 58 n. Chr.; † um 120) schrieb über die Bauweise der Germanen:

Dass die Völker Germaniens keine Städte bewohnen, ist hinreichend bekannt. Abgesondert siedeln sie sich an, wo ihnen gerade eine Quelle, eine Flur oder ein Gehölz gefallen hat. Dörfer legen sie nicht nach unserer Weise in zusammenhängenden und aneinanderstoßenden Häuserreihen an; jeder umgibt seine Behausung mit einem Hofraum, sei es zum Schutz gegen Feuersbrunst, sei es aus Unkenntnis der Baukunst. Nicht einmal Bruchsteine oder Ziegel sind bei ihnen im Gebrauch; sie benutzen zu allem ein unscheinbares Baumaterial, das keinen erfreulichen Anblick bietet (Fachwerk). Einige Flächen übertünchen sie dagegen sorgsamer mit einer so reinen und glänzenden Erde, dass es wie Malerei und Farbenzeichnung aussieht.

Antikefan Die Germanen

Viel hatte sich seit Tacitus bis zur Gründung Bischofthums nicht geändert. Wir können annehmen, dass die Bauformen sich allmählich entwickelten, aus von den Kolonisten als erste Bleibe schnell errichteten Erdhütten über kombinierte Wohn- und Wirtschaftshäuser in Schrotholzbauweise zu Gehöften mit entsprechend ihrer Funktion gestalteten Gebäuden in Fachwerk- und/oder Ziegelbauweise.

Die Bischofthumer Einwohner lebten nach der Gründerphase überwiegend in Hallenhäusern, später in Ernhäusern, einige andere Wohngebäude wurden als Buden oder Kat(h)en bezeichnet. Die Wohnform war auch ein Ausdruck der sozialen Hierarchiestufe der Bewohner. Erst nach 1850 glichen sich wie die wirtschaftlichen auch die Wohnverhältnisse nach und nach an. Deshalb war nach 1869 eine qualifizierende Unterscheidung in Bauernhöfe und Buden nicht mehr sinnvoll. Die neutrale Bezeichnung Grundstück setzte sich durch. Büdnereien konnten sich durch Zukäufe zu Vollerwerbshöfen oder aufgrund der seit 1869 gegebenen Gewerbefreiheit zu Handwerksbetrieben entwickeln.

Auch im Bauwesen trat eine signifikante Veränderung ein. Die Massivbauweise, der sogenannten Backsteinrohbau, löste die Fachwerk-bauweise ab. Die Gebäude wurden nun hartgedeckt, sie hatten unverputztes, oft mit Zierelementen, dem Deutschen Band oder dem Zahnschnitt, versehenes Backsteinmauerwerk. Ein Gebäude dieses Typs war die Dorfschule, ein unverputztes Backsteingebäude mit Kniestock, Zahnfries, abgetreppten Konsolen an der Traufe und Segmentbogenstürzen über Fenstern und Türen. Auch das Stallgebäude des Gehöftes Paul Gohlke zeigt wesentliche Merkmale dieses Baustils.

Bei der Veränderung der Bauweise spielte die Einflussnahme des Staates eine Rolle, der mit Verordnungen, Erlassen, Richtlinien und Gesetzen insbesondere auf die Vorbeugung gegen Schadensfälle abzielte und dabei die Möglichkeiten von neu entwickelten Baustoffen und Bauweisen berücksichtigte. Neue industriell produzierte Baustoffe, wie Dachziegel, Kalksandsteine, Betonwaren, Teerpappe und Zinkblech, waren an fast jedem Ort über die Baustoffhändler oder durch Direktverkauf ständig verfügbar. Ein weiterer bedeutender Faktor war die Einführung der Gewerbefreiheit und die Abschaffung der obligatorischen Meisterprüfung in Verbindung mit der Ausbildung der Bauhandwerker seit den 1830er und besonders seit den 1870er Jahren durch die Baugewerkschulen, die sie die Lage versetzte, selbstständig moderne Gebäude zu planen und deren Errichtung zu leiten.

Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden wegen der Baumaterialknappheit überwiegend einfache, schmucklose Ziegelbauten mit scheitrechten Fenster- und Türstürzen und steiler Ziegelbedachung.

Inwieweit die allgemeine Entwicklung auf dem Bausektor Bischofthum erreichte, konnte anhand der wenigen erhaltenen Bauten nicht festgestellt werden. Die meisten der bewohnten Gebäude sind schmucklos und verstecken ihre Konstruktionsart unter einem Putz oder sind die zu Wohngebäuden umgewandelte, massiv gebaute ehemalige Stallgebäude.

Fotografie und Architektur Dorfentwicklung in Brandenburg
Katja Laudel Der Typenwandel des ländlichen Wohnhauses