Die Häufigkeit der Namen

Die große Häufigkeit einiger Familiennamen liegt daran, dass das namengebende Gewerbe auch in kleineren Orten auf dem Land betrieben wurde, Beispiele sind Müller, Schmidt, Schneider, Fischer, Meyer, Weber, Wagner, Schulz, Hoffmann, Schäfer, Koch, Bauer, Richter. Deshalb sind auch Familiennamen aus dem Handwerk der Bäcker sehr häufig.

Brandgefahr

Wegen der Brandgefahr durften die Bürger keine Hausbacköfen besitzen, sodass es viele Bäcker gab.

Prof. Dr. Konrad Kunze dtv-Atlas Namenkunde, 1998

Namen, die auf einen speziellen Handwerkszweig zurückgehen (etwa Leinweber, Flader, Kuchenbecker, Küchler), sind dagegen weniger häufig anzutreffen. So ist der Lebkuchner, Zelter urkundlich im Reichssteuerregister von 1497 ein Kleinstadtberuf. Ganz allgemein war die Arbeitsteilung und Spezialisierung innerhalb der einzelnen Gewerbe in den großen mittelalterlichen Städten ausgeprägter als in den kleinen.

Mittelalterliche Bäckerei

In Deutschland findet man im frühen Mittelalter, erstmals den beruflichen Bäcker an Fronhöfen oder in Klöstern. Im 10. Jhdt. bildete sich erstmals die Zunft, wo auf staatseigenen Backöfen, welche er mit anderen Berufskollegen teilen musste, gebacken wurde.

Bäckerei Schreiner Geschichte (nicht mehr online)

Im frühen Mittelalter war die weitere Entwicklung der Backkunst in erster Linie den Klöstern zu verdanken. In dieser Epoche waren Bäckereien und Brauereien häufig verbunden, da diese beiden Gewerbezweige sich der Technik der Gärung bedienten.

Lieber-Lexikon

Spezialisierung

Die Entwicklung der Städte und mit ihnen des Handwerkerstandes brachte […] eine gewaltige Ausfaltung von Berufsbezeichnungen mit sich, im Westen etwa seit dem 13. Jh., im (Nord-) Osten etwas später. Die Arbeitsteilung wurde durch die Zünfte bis ins kleinste geregelt, sodass ein Handwerker oft nur jeweils einen Gegenstand herstellen durfte.

Prof. Dr. Konrad Kunze dtv-Atlas Namenkunde, 1998

In der Menge der aus den Handwerken abgeleiteten Familiennamen kommt das Bedürfnis zur Unterscheidung der Personen zum Ausdruck, wie auch die große Verbreitung des Bäckerhandwerks mit unterschiedlichen Bezeichnungen in der gesprochenen oder der geschriebenen Sprache, die starke Entfaltung des Handwerks im Mittelalter und die Vielfalt der amtlichen Tätigkeiten (die Differenzierung nach Produkten). So wurden im Mittelalter verschiedene Benennungen nebeneinander benutzt, z.B. waren in Arnsburg neben dem Beck und dem Becker auch der Kuchenbecker, Zuckerbecker, Weißbecker und der Symelere bekannt.

Ähnliche Parallelitäten für die Feinbäcker gibt es auch in anderen Orten (Stand: 1999):

Berlin:
Kuchenbecker, Kuchenbäcker, Kuchler, Küchle, Küchler, Kiechle, Pistor, Pistorius, Pfister, Pfisterer, Flader, Fladerer, Hipp, Hippler, Mutschler, Zelter, Zeltner
Dortmund:
Kuchenbecker, Kuchler, Küchler, Pistor, Pfister, Pfisterer, Pfistner, Flader, Hippler, Mutschler
Hamburg:
Kuchenbecker, Kuchenbeker, Kuchenbäcker, Kuchenbaecker, Kuchler, Küchle, Küchler, Pistor, Pistorius, Pfister, Pfisterer, Flader, Hipp, Hippel, Mutschler, Peck, Weckler, Zelter
München:
Kuchenbecker, Kuchler, Küchle, Küchler, Pistor, Pistorius, Pfister, Pfisterer, Pfistner, Fladerer, Fladner, Hipp, Hippel, Mutschler, Weckler, Zeltner

Zum Namen Bäcker und seinen dialektalen Versionen existieren heute (1999) in Deutschland ca. 142.000 Telefonanschlüsse, die wichtigsten sind nachstehend tabellarisch zusammengefasst, von den Familiennamen sind ca. 23.000 (16 %) aus speziellen Produkten oder aus Übernamen abgeleitet. Kuchenbecker in seinen vier Versionen hat an allen Bäckern nur einen Anteil von 5 ‰.

Rosa und Volker Kohlheim Duden Familiennamen, 2005
Prof. Dr. Konrad Kunze dtv-Atlas Namenkunde, 1998
Medion/Lifetec Telefonbuch auf CD-ROM, Stand 09/1999

Die Menge der Namensträger im Ablauf der Zeit wird in einem Zahlenspiel untersucht. Die Berechnung ergibt erstaunliche 250 Kuchenbecker zum Zeitpunkt der Namensgebung um 1150 und ein Aussterben des Namens im deutschsprachigen Raum um 2350.

FamiliennamenAnzahl, ca.SummeBemerkung
Bäck, Baeck, Bäcke 440 119.660 mhd. becke (Bäcker); bzw. bei Beck, Peck auch mnd. beke (Bach)
Backer 595
Becker 85.031
Bäcker, Baecker 3.758
Becke 802
Beck, Peck 28.710+324
Bretz, Bretzel, Bretzenbeck 1.111+105+6 2.817 mhd. prēze(l), brēzel (Brezel) für den Bretzelbäcker
Pretz, Pretzel, Pretzl 190+298+217
Pritz, Pritzner 260
Britzel, Pritzel, Pritzl 1+146+483
Brotbeck 9    
Chrampffenpacher -   krapfe (hakenförmiges Gebäck)
Flad, Flade 561+552 1.674 vlade (dünner Kuchen)
Flader, Fladerer 307+249
Fladner, Fladenner 5
Fladenpeck, Vladenbecker -
Hausbeck 56   Lohnbäcker für den Teig der Kunden
Hipp, Hippe 1.862+910 3.806 fnhd. hippe (Hippe, Waffel)
Hipper, Hippler 171+863
Hornoffer -   hornafe (Weizengebäck, in Öl gebacken)
Kuchenbäcker, Kuchenbaecker 99 809 mhd. kuoche (Kuchen) und
mhd. becke (Bäcker)
Kuchenbecker, Kuchenbeker 710
Kuch(e)ler 695 3.207 Berufsname für den Kuchenbäcker, fnhd. kuch(e)ler
Küchle, Küchler 269+2.243
Lebkücher, Lebküchner 107+53 160  
Lepkuocher -
Mutscheller, Mutschler 95+1.050 1.145 mutschelin (kleines Weißbrot)
Mutschelbeck -
Oblater -   (Hostienbäcker)
Pfister, Pfisterer 3.772+15 3.963 mhd. phister (Bäcker), aus lat. pīstor entlehnt, (Hof-, Kloster-, Feinbäcker)
Pfistermeister 28
Pfistner 148
Pister, Pisterer 364+15 1.458 lat. pīstor (Klosterbäcker, Feinbäcker)
Pistor 507
Pistora, Pistori, Pistorio 23+16+2
Pistoris, Pistorius 1+530
Rogener, Rockner 1+1   (Roggenbäcker)
Schoenebrotpecke -   (Weiß-, Weizenbäcker)
Semmel, Semmelbeck 187+10 3.186 sëmele, simele (feines Weizenmehl, Weizenbrot, Semmel);
sëmeler (Weißbrotbäcker)
Semler, Semm(e)le(r) 480+2.489
Symelere -
Weckler 137   wecke (keilförmiges Backwerk)
Weißbecker, Weissbecker 60 61 (Weißbrotbäcker)
Wijsbecker -
Weispeck 1
Zelter, Pfanzelter, Lebzelter 75+30+10 398 zëlte (flaches Backwerk, Fladen)
Zeltner 283
Zuckerbecker -    
Summe 142.529 

Medion/Lifetec Telefonbuch auf CD-ROM, Stand 09/1999