Zeitstrahl

Obwohl Bischofthum vermutlich zwischen 1342 und 1351 entstand, wird auch die Zeit davor kurz gestreift, um aufzuzeigen, dass in Pommern infolge mehrerer Wanderungsbewegungen im Verlaufe einiger Jahrhunderte ein polyethnischer Volksstamm entstand.

Deutsche Stämme

Vorgeschichtliche Jahrhunderte

In diversen Berichten wird eine Verknüpfung von archäologischen Funden mit ethnischen Völkern versucht. Leider sind solche Hypothesen oft nicht zu verifizieren, weil eindeutige Belege fehlen bzw. archäologische Funde subjektiv interpretiert werden. Kulturen und Ethnien sind offenbar zwei unterschiedliche Sachen, die nicht unbedingt miteinander verbunden werden können.

  • Bereits vor 4000 v.Chr. war die Ostseeküste besiedelt, wie Funde am Meeresgrund belegen. Welcher Kultur die Bewohner angehörten, muss noch erforscht werden.

    Die Gegend um Schlawe (polnisch: Sławno) war bereits 4000 Jahre vor Christus besiedelt oder zeitweise bewohnt, wie die Urnenfunde und Grabanlagen am Rauhen Berg (Chropa Wiec) bei Tychow bezeugen.

    Wikipedia Tychow

  • Jüngere Steinzeit in Pommern

    (3000 bis 2000 vor Chr.)

    Die Träger der nordischen Kultur besetzten von Dänemark aus Rügen und Vorpommern, drangen längs der Küste bis Hinterpommern und südöstlich durch die Uckermark bis in den heutigen Kreis Pyritz vor und trafen hier auf Siedler der Donaukultur, deren Spuren auch in anderen Teilen Pommerns festzustellen sind. Gegen Ende der Steinzeit breitete sich die in Mittelpommern heimisch gewordene Kultur der Oberschnurkeramiker weiter nach Osten aus.

    Martin Wehrmann, 1919

    Die in Pommern reichlich vorhandenen eiszeitlichen Findlinge wurden von den prähistorischen Bewohnern zum Bau von Steinkisten, Dolmen und megalithischen Gräbern benutzt …

    … in der Regel derart, daß die glatten Schliffflächen nach innen gewendet und einige wenige (3–4) große Steine als Deckel oben drauf gelegt wurden.

    Wilhelm Deeke, S. 176

    Die Archäologen datieren die Entstehung der nordischen Variante der megalithischen Gräber, die über weite Teile Europas und in ähnlichen Bauweisen verbreitet waren, mehrheitlich in die mittlere Jungsteinzeit etwa zwischen 3500 und 2800 v. Chr.

    Die Bewohner des Weichseldeltas, die der Haffküsten-Kultur angehörten, fertigten aus Bernstein Schmuck- und Kultgegenstände an und betrieben auf dieser Basis einen regen Handel. Das Einflussgebiet der Haffküsten-Kultur reichte im Westen bis an die Persante.

  • Bronzezeit

    (2000 bis 500 vor Chr.)

    Aus Vorpommern, das zum urgermanischen Gebiet gehört, drangen die Germanen in der mittleren und jüngeren Bronzezeit in zwei Keilen nach Osten vor: längs der Küste bis zur Weichselmündung, und durch die Uckermark nach Mittelpommern. Um 1000 vor Chr. saßen an der unteren Oder, teilweise in festen Burgen, die nördlichen Vorposten der Lausitzer Kultur. Gleichzeitig bildete sich im Weichselmündungsgebiet die früh-ostgermanische Kultur, die Wielbark-Kultur, die sich aus der Oxhöft-Kultur (Oksywie-Kultur) entwickelte und die westgermanische bis hinter die Rega zurückdrängte.

    Martin Wehrmann, 1919

    Manche Quellen nennen für 1300–500 v. Chr. ein größeres Verbreitungsgebiet der Lausitzer Kultur (violett), das nicht nur das Odergebiet, sondern auch das spätere Hinterpommern umfasste. Beispielsweise scheint der pommersche Kreis Schlawe …

    … beim Übergang der Bronzezeit in die Eisenzeit stark besiedelt gewesen zu sein, wie aus den vielen Steinkisten in Wendisch-Tychow, Nemitz, Pollnow, Sydow, Hanshagen, Segenthin, Peest u. a. erhellt. In dieser Zeit drangen die Westgermanen über die Oder bis zur Weichsel, stießen dort mit den Ostgermanen zusammen und wurden von ihnen wieder zurückgedrängt, …

    Familie von Kleist Wendisch-Tychow

  • Eisenzeit

    (seit 500 v. Chr. – Ende 1. Jahrhundert v. Chr.)

    Um 150 vor Chr. wurden Vorpommern und Rügen von einen aus dem westlichen Mecklenburg kommenden nordsuebischen Stamm besetzt, dessen Kultureinfluss bis nach Hinterpommern reichte. Von Bornholm aus besetzten die Burgunden, ein germanischer Stamm, das Gebiet zwischen Oder und Persante.

    Die Wanderbewegungen verliefen bevorzugt entlang der Flüsse, denn die Lasten transportierenden Tiere brauchten Wasser und die Ufer waren wegen der dichten Urwälder häufig die einzig begehbaren Wegstrecken. So ist z. B. die Eroberung des ostpommerschen Landes entlang der Weichsel von ihrer Mündung in Richtung Süden, dann der Sprung zur Netze nach Westen und entlang der Küddow und der Persante weiter in Richtung Ostseeküste vorstellbar.

    Die Heimat der oben erwähnten Burgunden könnte Skandinavien sein. Lange Zeit sollen sie auf der Ostseeinsel Bornholm ansässig gewesen sein, die noch im 13. Jahrhundert Burgundarholm genannt wurde. Im 2. Jahrhundert gingen die Burgunden auf Wanderschaft.

    Martin Wehrmann, 1919

    Die Burgunden lebten vor ihrer Wanderschaft zwischen der Vistula (Weichsel) und dem die westliche Grenze bildenden Fluss Suebus (Oder-Spree-Havel-Unterlauf), das heißt, im heutigen Westpolen (Hinterpommern) und Teilen Brandenburgs.

    Wikipedia Burgunden

    Für das Gebiet, in dem später Bischofthum entstehen sollte, gilt, dass dort bereits in prähistorischer Zeit Träger verschiedene Kulturkreise aufeinander stießen, sodass Assimilierungen anzunehmen sind oder Überschichtungen durch die dominierende Kultur.

    Daneben fand vermutlich ein reger Wissensaustausch durch Kaufleute statt, die über große Entfernungen auf den Handelsstraßen unterwegs waren, davon zeugen die Namen der Altstraßen: Salzstraße, Bernsteinstraße usw. Die ersten Spuren der Bernsteinstraße, die von der Ostsee nach Rom verlief, werden auf das 5. Jh. v. Chr. datiert.

    Die oben angeführten und die nachstehenden Bilder zur geografischen Verteilung der Kulturen sind Beispiele, die die wechselnden Einflüsse in Hinterpommern und das Dilemma bei der Abgrenzung der Kulturen und die Schwierigkeit der Zuordnung von Kulturen zu bestimmten Ethnien verdeutlichen sollen.

    Frühe Eisenzeit (um und vor 500 v. Chr.) Nordische Gruppe [dunkelgrün], Jastorfkultur [dunkelrot], pommerellische Gesichtsurnenkultur [grün], westbaltische Hügelgräberkultur [violett].

     

    Von etwa 500 v. Chr. bis zur Zeitenwende (vorrömische Eisenzeit) herrschten an der Ostseeküste zwei Kulturen vor: die Jastorf-Kultur [dunkelrot] und die Oxhöft-Kulur [braun].

     

    Wikipedia Germanen

  • Von manchen Forschern werden die frühen Goten als Träger der Wielbark-Kultur angesehen, die sich im 1. vorchristlichen bis zum 4. Jahrhundert im späteren Hinterpommern ausbreitete.

    Die Gräberfelder der Gotenbefinden sich in einem Gebiet zwischen Persante/Küddow im Westen, der Weichsel im Osten, der Netze im Süden und der Ostsee im Norden.

    Zur Erinnerung: Bischofthum (Biskupice) liegt nahe bei der Quelle der Küddow, also auf dem Gebiet, das von Goten besiedelt war, bevor sich die Slawen hier niederließen.

    Und ein Weiteres: Die Bautechnik von Niederungsburgen, die in der Regel den Slawen zugeschrieben werden, muss den Goten bekannt gewesen sein, da diese Bauart mit den Kelten und der Lausitzer Kultur sehr verbreitet war.

    Ohne den vielen Theorien eine neue hinzufügen zu wollen: es fällt schon auf, dass sich die Kulturlandschaften an der Ostseeküste annähernd mit den späteren Herzogsgebieten decken, deren Grenzgebiet entlang der Persante bzw. Küddow verlief. Man könnte an verfestigte Strukturen denken.

    Später werden wir sehen: Es gab in Pommern immer mindestens zwei Machtzentren, eines in der Nähe der Oder, eines in der Nähe der Weichsel.