15. Jahrhundert

Das Klima war seinerzeit generell rauer als heute. Vom 15. Jahrhundert bis etwa 1850 herrschte die Kleine Eiszeit in Europa. Die Kälteperiode wurde vermutlich ausgelöst, weil die Sonne zwischenzeitlich an Kraft verlor. Zusätzlich verschleierte die Asche von Vulkanausbrüchen das Sonnenlicht.

Süddeutsche Zeitung Der Jahrtausendwinter

Wenn man normale Reproduktionsziffern der Bevölkerung unterstellt und in Bischofthum 1719 acht Einwohner namens Kuchenbecker registriert wurden, müssen um 1400 bereits 7 männliche Kuchenbeckers dort gelebt haben.

  • Die Ostsiedlung hat um 1400 ganz Pommern, West- und Ostpreußen erfasst.

    Bernhard Brügger Feudale Expansion und Migration am Beispiel des mittelalterlichen Mecklenburg-Vorpommern (nur noch im Web-Archiv verfügbar)

     
  • Über die Herausgabe der verpfändeten Schlösser Massow, Gülzow und Arnhausen entbrannte ein Streit, zu dessen Klärung Bischof Nikolaus nach Rom fuhr. Vor der Abreise betraute er den Hochmeister des Deutschen Ordens mit der Verwaltung und Schirmung der Stiftslande, sodass dem Bistum Cammin zeitweise auch das Herrschaftsgebiet des Deutschen Ordens, u.a. Pommerellen, zugerechnet wurde.

    Bublitz gehörte nicht zu den Streitobjekten, daher muss die Verpfändung an den Herzog bereits abgelöst worden sein.

    Der Verwaltungsauftrag des Stiftes Cammin gab dem Ordens-Hochmeister Ulrich von Jungingen Gelegenheit und Veranlassung, 1408 über das stiftische Dorf Bischofthum zu verfügen.

     
  • In einer Handfeste der Komturei Schlochau vom 10. August 1408 erfolgte die erste bekannte Erwähnung von Bischofthum. Darin belehnt der Deutsche Orden unter Hochmeister Ulrich von Jungingen den Baldenburger Pfarrer Peter Malzan mit dem Dorf Bischofthum zu vererblichem Besitz. D.h., vor diesem Zeitpunkt gab es den Ort bereits, doch das genaue Gründungsdatum konnte nicht mehr festgestellt werden.

    Paul Panzke, Kapitel 159

    Die Handfeste nennt eine Dorfgröße von sechzig huben Cölmischer masze. Eine altkulmer Hufe war 16,810 ha groß, damit betrug die Größe des Dorfes 1.008,612 ha.

    Gerhard Müller erwähnt das stete Vordringen der Ordensherren und fährt fort:

    Müller zitiert die Handfeste und vermutet, dass Kasimirshof nach Bischofthum gegründet wurde, und zwar vom Camminer evangelischen Fürstbischof Kasimir V. (1574–1602). Dieser war ein nicht-regierender Herzog in Pommern aus dem Greifenhaus. Die Regierungsgeschäfte überließ er überwiegend seinen Beratern und scheidet wohl deshalb als Gründer aus. Gegen die These von Müller spricht aber auch, dass die Aktivitäten der Brüder Paul und Vicko Glasenapp-Barthusewitz sich kurz nach 1342 insbesondere auf Altschloss, Karzenburg, Casimirshof, Sassenburg, Drensch (Drenzke) und besonders Linow oder Ulrichs Schäferei bezogen. Casimirshof, das Nachbardorf von Bischofthum, gehörte also zu den ersten Gründungen der Gebrüder oder muss zu deren Lebzeiten bereits bestanden haben.

    Gerhard Müller

    Eine weitere Besonderheit bei Müller ist seine Annahme zu dem Dorf Ulrichs Schäferei, dessen Gründung er um 1618 bis 1622 ansetzt und damit dem evangelischen Bischof Ulrich von Pommern (* 1589, † 1622) zuschreibt, während Glasenapp seinen Vorfahren Ulrich Glasenapp-Barthusewitz für den Gründer hält, der wie dessen Brüder Paul und Vicko Bartuszewitz um 1342 gelebt hat.

    E. von Glasenapp

    1410 enthob Papst Alexander V. den Bischof Nikolaus Bock von Schippenbeil seines Amtes, weil er zu den Anhängern der Gegenpapstes Gregor XI. gehörte.

  • Der Papst ersetzte Nikolaus Bock durch Magnus I. von Sachsen-Lauenburg (* 1. Januar 1470; † 1. August 1543) aus dem Geschlechte der Askanier.

    Magnus war von 1410 bis 1424 Bischof von Cammin.

     
  • Der rote Greif stand im Banner Herzogs Kasimir V. von Stettin (nach anderer Zählung Kasimir VI., * nach 1380; † 13. April 1435), wie es in der Schlacht von Tannenberg 1410 vom pommerschen Kontingent auf Seiten des Deutschen Ordens benutzt wurde, dessen Heer von einer vereinigten polnisch-litauischen Streitmacht vernichtend geschlagen wurde.

    Auch der Hochmeister Ulrich von Jungingen fand neben fast allen Ordensgebietern und vielen Ordensrittern den Tod.

    Vermutlich erlosch mit dem Tod des Ulrich von Jungingen der Verwaltungs- und Schirmungsauftrag des Bistums und das Stiftsgut Bublitz mit seinen Vorwerken einschl. Bischofthum fiel zurück in die Verwaltung durch das Stift.

    Bis in das 16. Jahrhundert hinein war das Bublitzer Land Gegenstand von Zwistigkeiten zwischen den Landesfürsten und den Bischöfen, in deren Folge die Stadt mehrfach verpfändet, abgetreten oder verkauft wurde. Dadurch wurde die Stadt immer wieder in ihrer Entwicklung gehemmt. Erst nach dem Westfälischen Frieden von 1648 mit der Übernahme durch Brandenburgkehrten stabile Verhältnisse ein.

    Wikipedia Bobolice

    Ob und inwieweit die Domäne Bublitz und damit zusammenhängend auch Bischofthum in die Besitzerwechsel einbezogen war, ist unbekannt.

     
  • Nach 1410 wurde Cord Bonow Generalvikar unter dem Bischof von Cammin, Magnus von Sachsen-Lauenburg. In dessen Namen schloss er 1413 ein förmliches Bündnis mit dem Deutschen Orden gegen den Herzog Bogislaw VII. von Pommern, der dem Stift Cammin verschiedene Schlösser und Ländereien vorenthielt.

    Der Streit führte 1413 zu einem Bündnis des Generalvikars Konrad Bonow unter Bischof Magnus von Sachsen-Lauenburg mit dem Deutschen Orden.

  • Im Jahr 1417 wurde Bischof Magnus von König Sigismund mit Cammin belehnt. Damit verbunden war die Anerkennung als selbständiges Fürstentum im Heiligen Römischen Reich, 1422 rechtsgültig bestätigt durch den Eintrag in der Reichsmatrikel.

    Wikipedia Magnus von Sachsen Lauenburg

    In der Reichsmatrikel, auch Heeresmatrikel genannt, waren die Reichsstände des Heiligen Römischen Reiches und die für die Reichsarmee zu stellenden Truppen in genauen Zahlen und/oder die finanziellen Leistungen für den Unterhalt des Heeres verzeichnet. Der Eintrag in die Matrikel galt als wichtiges Indiz für die Reichsunmittelbarkeit eines Reichsstandes.

  • Bogislaw IX. regierte von 1418 bis 1466. Er erwarb durch Vermittlung des Königs Erich I. 1436 trotz Bannung ein Bestätigungsrecht der pommerschen Herzöge für die Bischöfe im Bistum Cammin und die Schirmvogtei über das Stift, sowie den stillschweigenden Verzicht des Bistums auf die Reichsunmittelbarkeit.

    Bischof war 1424 bis 1446 Siegfried II. Bock, der zuvor Erichs Kanzler gewesen war.

  • 1436 wurde unter Vermittlung König Erich VII. festgelegt, dass die pommerschen Herzöge jede Bischofs- und Domherrenwahl von Kammin bestätigen mussten und ihnen die 1356 begründete Schutzherrschaft zustand.

    Dr. Ludwig Biewer Kurze Geschichte Pommerns

  • Toeppen vermutet, dass Bischofthum 1438 vom Deutschen Orden an das Stift zurück gefallen sei.

    Max Toeppen, Historiker und Gymnasiallehrer, Näheres unbekannt

  • Nach dem Tode des bisherigen Bischofs von Cammin, Siegfried II. Bock, im Mai 1446 wurde Henning Iwen († 3. August 1468) im Juli 1446 durch das Camminer Domkapitel zu seinem Nachfolger gewählt. Nach Henning Ivens Tod 1468 folgte im Bistum Cammin eine Sedisvakanz bis 1471.

  • Der Deutsche Ritterorden verlor im Zweiten Frieden von Thorn 19. Oktober 1466 auch Pommerellen, spätestens damit fiel Bischofthum an den Bischof von Cammin zurück.

  • Nikolaus von Tüngen († 14. Februar1489 in Heilsberg)wurde von Papst Sixtus IV. zeitweise als Bischof von Cammin nach Pommern versetzt. Nikolaus hatte die Unterstützung des Deutschen Ritterordens.

    Im Jahr 1472 wurde der junge Graf Ludwig von Eberstein zum postulatus [Verwalter] des Bistums Cammin ernannt. Da der von Papst eingesetzte Bischof nicht im Stift erschien, verwaltete Ludwig, Graf von Eberstein-Naugard (* 1527; † 1590), bis 1479 die Diözese.

    Die 1518 erfolgte Bestätigung des Grafen Wolfgang von Eberstein zum Koadjutor [einem anderen Bischof zur Seite gestellt; GK] des Bistums wurde auf Betreiben Bogislaws X. rückgängig gemacht.

  • Mit der Regierungszeit Herzog Bogislaws X., dem Großen (Bogusław X Wielki; * 1454, † 1523), die von 1474 bis 1523 dauerte, trat auch Pommern in die Neuzeit ein, nahm Abschied vom Mittelalter und wurde zu einem zeitgemäßen Territorialstaat mit festen Grenzen.

  • Bogislaw X führte 1478 zentrale Staatsverwaltungsorgane ein. In der Landesverwaltung traten an die Stelle nahezu erblicher Vogteien nun allein dem Herzog verpflichtete Beamte, von denen viele über eine Universitätsausbildung verfügten. Die herzoglichen Domänen wurden von Ämtern verwaltet, an deren Spitze Amtmänner standen. Diese Art der Domänenverwaltung wird auch für die Domäne Bublitz gegolten haben, zu der Bischofthum gehörte.

    Durch strenge Handhabung des Lehnsrechts konnte Bogislaw X. die Macht des Adels eindämmen, andererseits band er ihn an sich durch die Übertragung von Ämtern. Und er versuchte, die Privilegien und Zollfreiheiten der Städte zu beschneiden.

    Unter der Regierung von Herzog Bogislaw X. war seit 1478 ganz Pommern wieder unter einem Herrscher vereint. 1521 wurde auf dem Reichstag zu Worms wurde Bogislaw X. von Kaiser Karl V. mit ganz Pommern als reichsunmittelbarem Herzogtum belehnt.

    Bogislav X. berief zur Reformierung des Finanzwesens, der Verwaltung, des Lehnswesens berühmte römische Juristen in seinen Rat. Damit begann die Einführung des allgemein gültigen, schriftlich niedergelegten römischen Rechts, das die Rechte des Herrschers und die der Grundherren stärkte. Daneben galt das örtliche Gewohnheitsrecht, das allerdings von demjenigen, der sich darauf berief, bewiesen werden musste, weil es nicht schriftlich festgehalten war und an den verschiedenen Orten unterschiedliche Gewohnheitsrechte galten. Diese Regelung führte zur Vernichtung der Weistümer, des alten Rechts der Bauern. In der konsequenten Folge trug das neue Recht dazu bei, hörige und freie Bauern zu Leibeigenen herabzuwürdigen.

    Durch strenge Handhabung des Lehnsrechts konnte Bogislaw X. die Macht des Adels eindämmen, andererseits band er ihn an sich durch die Übertragung von Ämtern. Und er versuchte, die Privilegien und Zollfreiheiten der Städte zu beschneiden.

    Steuer-und Münzwesen konnten zum Nutzen des Herzogs und des Landes neu geregelt werden. Bogislaws X. förderte den Handel, auch indem er Verkehrswege ausbauen und den Verkehr sichern ließ.

    1492 war Bogislaws X. am Sternberger Hostienschänderprozess beteiligt, in dessen Ergebnis 27 Juden auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden.

    Edgar Loening Befreiung des Bauerstandes

  • Marinus de Fregeno († 7. Juli 1482), als Ablasshändler in Nordeuropa bekannt, war Bischof. Ludwig von Eberstein wurde mit dem Schloss Gülzow abgefunden. Als Bischof Marinus eine Besteuerung der Geistlichkeit forderte, um die Verwaltungskosten des Stiftes zu decken, suspendierte ihn das Domkapitel 1481 von seinem Amt.

    Der designierte Nachfolger Angelo Geraldini aus Sessa Aurunca in Unteritalien übernahm sein neues Bistum nicht. Die Folge war eine mehrjährige Sedisvakanz.

  • Dubschlaff Kleist zu Damen hat …

    … die Helffte an Bublitze gehabt [als] am Schloße, Stadt und dazu belegenen Dörffern, welche Helffte Ludwigk Graff von Eberstein, elegirter Bischoff zu Camin anno 1479 vor achtehalbhundert Reinsche Gulden von ihme gekaufft und wiedrumb anß Stiffte gebracht. Darnach aber ist daß gantze Amt Bublitz nochmaln verkauffet und in vieler Hende gekommen.

    Familie von Kleist Allgemeine Geschichte, S. 73

  • 1486 übernahm Benedictus von Waldstein das Bischofsamt, das er bis 1498 innehatte.

  • Bogislaw X. hatte Pommern geeint. In einem Erbfolgevertrag von 1493 einigte er sich mit Brandenburg dahingehend, dass ihm die volle Landeshoheit zuerkannt wurde gegen die Anerkennung der ungeteilten Erbfolge für den Fall des Aussterbens seines Geschlechtes.

    Damit befriedete er die Grenzen, sicherte die Handelsstraßen und machte die Kräfte des Landes frei für die Aufgaben der inneren Politik. Er begründete durch diesen staatspolitisch klugen Vertrag für die Kunst und Wissenschaft seines Landes eine Zeit des Ausstiegs und nicht gekannter Blüte.

    Eberhard Sauer

  • 1496 reiste Bogislaw über Venedig und Padua nach Jerusalem. Dort wurde er 1496 zum Ritter vom Heiligen Grab geschlagen. Auf der Rückreise übertrug ihm der Papst in Rom das Besetzungsrecht für das pommersche Bistum Cammin sowie für weitere bedeutende Pfründen in Pommern.

  • Ende 1496 begleitete Dr. Martin Carith Herzog Bogislaw X. als dessen Kanzler und Geheimer Rat nach Worms und anschließend auf dessen Wallfahrt ins Heilige Land. Auf der Rückreise wurde Dr. Martin Carithin Rom von Papst Alexander VI. zum Koadjutor des Bistums Cammin und 1498 zum Bischof ernannt. Martin Carith verwaltete das Bistum ganz nach Bogislaws Wünschen.